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Antisemitismusforschungspreis der Philosophischen Fakultät 2020 an Larissa Strützke verliehen

Die Preisträgerin Larissa Strützke mit Urkunde Zoom

Das Judentum sowie die soziale Stellung der Juden nehmen in der realistischen Literatur des 19. Jahrhunderts eine zunehmend wichtigere Rolle ein, zeitgleich stieg die Zahl der literarisch publizierenden jüdischen Autorinnen und Autoren an. Neben dem vermehrten Aufkommen von Themen der jüdischen sozialen Gegenwart sowie jüdischer europäischer Geschichte aus einem christlichen Blickwinkel etablierte sich ein genuin jüdischer Blick auf das Judentum. Fremdbilder wurden durch Selbstbilder ergänzt und das Judentum wurde weniger einseitig literarisch dargestellt. Dennoch dominierte der christlich-deutsche Blick mit seinem latenten Antisemitismus.

In ihrer Bachelorarbeit „Judentum und literarischer Antisemitismus in der realistischen Literatur des 19. Jahrhunderts“ untersucht Larissa Strützke in drei literarischen Werken die Spannung zwischen objektiver Darstellung und antisemitischer Rhetorik. Durch die Analyse von Berthold Auerbachs erstem Band der „Dorfgeschichten“ von 1843, Gustav Freytags Erfolgsroman „Soll und Haben“ von 1855 sowie Theodor Fontanes Roman „Die Poggenpuhls“ von 1896, attestiert die Autorin der realistischen Literatur eine normative Tendenz, die das moralische Verhalten gesellschaftlicher Schichten nicht bloß wiedergebe, sondern auch bewerte. In der Frage, welche Rolle den Außenseitern respektive den Juden innerhalb dieser Kultur zukomme, konzentriert sich die Verfasserin auf die Analyse der Stereotypen in Kombination mit einer Handlungsanalyse. Ergänzt wird die Untersuchung durch eine kompetente Darstellung der vorherrschenden Bilder über Juden im 19. Jahrhundert sowie eine terminologische Klärung des literarischen Antisemitismus.

Larissa Strützke diagnostiziert  den von ihr ausgesuchten Autoren, mit Ausnahme Auerbachs, latent antisemitische Tendenzen und den Einsatz stereotyper jüdischer Charaktere (insbesondere bei Freytag). Fontanes Roman greift weniger auf Stereotype zurück, sondern spiegelt eher den Diskurs der bürgerlichen und aristokratischen Kultur im Ausgang des 19. Jahrhunderts wider.

Neben der ausgezeichneten textuellen Analyse zeichnet sich die Arbeit insbesondere durch eine weitreichende historische Einarbeitung der Autorin in das Thema sowie ihre umfangreiche und kritische Berücksichtigung von Forschungsliteratur aus.

 

Zur Preisträgerin

Larissa Strützke studierte Germanistik und Politikwissenschaften an der Philosophischen Fakultät der HHU. Sie schloss ihr Studium im Sommersemester. 2020 mit dem Bachelor of Arts ab. Ihr besonderes Forschungsinteresse liegt in der Rolle des Judentums in der schriftlichen Literatur des 19. Jahrhunderts.

Antisemitismusforschungspreis der Philosophischen Fakultät

Mit dem Antisemitismusforschungspreis zeichnet die Philosophischen Fakultät jährlich besonders gelungene Hausarbeiten, Seminararbeiten, Bachelor- oder Masterarbeiten zum Thema "Antisemitismus" aus. Stifter des Preises ist Prof. Dr. Rudolf Hiesland (Emeritus), der das Thema Antisemitismus damit nicht in Vergessen geraten lassen möchte. Der Preis ist mit 250 Euro dotiert.

Kategorie/n: Philosophische Fakultät, Fakultät Schlagzeile
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