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Forschungsinstitut für Mittelalter und Renaissance (FIMUR)

FIMUR bündelt Forschungen zum Mittelalter und zur Renaissance an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und fördert den interdisziplinären Austausch historisch arbeitender Geisteswissenschaften. Neben der Vernetzung von Forschenden an der HHU steht der Austausch mit wissenschaftlichen Einrichtungen im In- und Ausland im Mittelpunkt. Ein zentrales öffentliches Format ist die jährliche Ringvorlesung.

 

News/Aktuelles

FIMUR-Ringvorlesung im Wintersemester 2026/27

Was bleibt? Sterben, Tod und Nachleben in historischer Perspektive
Was bleibt, wenn ein Leben endet? Die Frage richtet den Blick auf die Toten ebenso wie auf die Lebenden: auf Vorstellungen, Praktiken und Verfahren, in denen Sterben, Tod und Nachleben gedeutet, gestaltet und geordnet werden. Menschliche Überreste können zu Reliquien, Sammlungsobjekten, Handelswaren oder Quellen historischer Erkenntnis werden; letzte Worte werden aufgezeichnet, überliefert, ausgelegt und literarisch inszeniert; Grabmäler machen Trauer sichtbar und formulieren zugleich soziale und familiäre Ansprüche; Akten überführen Todesfälle in medizinische, juristische und administrative Verfahren. Auch Bilder und Erzählungen vom Nachleben entwerfen immer wieder neu, was jenseits der Grenze zwischen Leben und Tod vorstellbar ist.

Diesen unterschiedlichen Zugängen widmet sich die FIMUR-Ringvorlesung im Wintersemester 2026/27. Beiträge aus Geschichte, Kunstgeschichte, Germanistik, antiker Philosophie und Medizingeschichte untersuchen, wie Menschen sich zu Sterblichkeit und Tod verhalten und welche Deutungen, Wissensbestände und Praktiken sich daraus entwickeln. Dabei erscheint der Tod als körperliche Realität und soziales Ereignis, als Gegenstand philosophischer Reflexion, künstlerischer Gestaltung und gelehrter Auslegung ebenso wie medizinischer Untersuchung und institutioneller Ordnung.

Eröffnet wird die Reihe am 29. Oktober 2026 durch die Antrittsvorlesung von Matthias Bähr. Unter dem Titel „Schädel, Mumien, Knochensplitter. Abstoßende Märkte in der Frühen Neuzeit“ untersucht er menschliche Überreste als Handels- und Sammlungsobjekte in der Frühen Neuzeit. Die weiteren Vorträge nehmen unterschiedliche historische Konstellationen in den Blick: die Kunst des Sterbens im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit, die Imagination des Untoten in Vampir- und Zombievorstellungen des 18. Jahrhunderts, die Deutung und Inszenierung letzter Worte zwischen Barock und Aufklärung, epikureische und stoische Überlegungen zum Selbst und zum eigenen Sterben, medizinisch-forensische Wissenspraktiken im Spiegel ärztlicher Akten sowie Grabmäler für drei ermordete Söhne, in denen sich mütterliche Trauer und Handlungsmacht verschränken.

So verschieden die Beiträge in ihren Gegenständen, Quellen und methodischen Zugängen sind, verbindet sie die Frage, was der Tod mit den Lebenden macht – und was diese ihrerseits mit den Toten tun. Sie bewahren und bestatten, sammeln und untersuchen, schreiben und deuten, gestalten und erinnern. Auf diese Weise erhalten Körper und Überreste, Worte und Bilder, Akten und Monumente je spezifische Funktionen und Bedeutungen. Die Ringvorlesung fragt nach diesen historischen Konstellationen und damit danach, wie Vorstellungen von Sterben, Tod und Nachleben hervorgebracht, überliefert und verändert werden.

Die Vorträge richten sich an ein universitäres wie außeruniversitäres Publikum und sind offen für alle Interessierten. Studierende können durch regelmäßige Teilnahme an der Ringvorlesung 1 CP im fächerübergreifenden Wahlpflichtbereich erwerben.

 

Programm

Donnerstags, 16:30–18:00 Uhr
Hörsaal 2B, Gebäude 22.01
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

29. Oktober 2026 – Matthias Bähr (Geschichte)
Schädel, Mumien, Knochensplitter. Abstoßende Märkte in der Frühen Neuzeit (Antrittsvorlesung)

12. November 2026 – Andrea von Hülsen-Esch (Kunstgeschichte)
Alter und Sterbekunst in der Kunst des Mittelalters und der Frühen Neuzeit

26. November 2026 – Tobias Winnerling (Geschichte)
Empire of the Undead? Wie das 18. Jahrhundert Vampire und Zombies erfand

10. Dezember 2026 – Philippe Roepstorff-Robiano (Germanistik)
Hermeneutik des Sterbens. Letzte Worte zwischen Barock und Aufklärung

07. Januar 2027 – Anna Schriefl (Antike Philosophie)
„Im Tod gibt es kein zweites Selbst“: Epikureer und Stoiker über das Sterben

21. Januar 2027 – Heiner Fangerau (Medizingeschichte UKD)
Aktenversendung und forensische Begutachtung. Das Diarium von Michael Alberti (1682–1757)

04. Februar 2027 – Anna Magnago Lampugnani (Kunstgeschichte)
Mütterliche Handlungsmacht im Zeichen der Trauer: Die Grabmäler dreier ermordeter Söhne in der Cappella Sanseverino in Neapel