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Stilisiertes schwarzes Logo von Moderne im Rheinland

Das An-Institut „Moderne im Rheinland“ geht dem Kulturraum Rheinland auf den Grund

In den 1980er Jahren gründete sich auf Initiative des Wissenschaftsministeriums Nordrhein-Westfalen aus einer losen interdisziplinären Forschungsgemeinschaft der „Arbeitskreis zur interdisziplinären Erforschung der Moderne im Rheinland“. Um die Erforschung des rheinländischen Kulturraumes systematisch und mit einer universitären Anbindung voranzutreiben, wurde zur Jahrtausendwende daraus eine Doppelstruktur initiiert: aus dem losen Arbeitskreis wurde ein eingetragener Verein und es erfolgte der Status eines An-Institutes an der Heinrich-Heine-Universität. Heute gehören dem Verein ein Netzwerk aus nahezu 100 Forschern vieler Disziplinen, Journalist*innen, Archivar*innen sowie Menschen aus den Bereichen Museum, Kultur und Kunst an. Aktuell hat das Institut wissenschaftliche und kulturpraktische Arbeit entsprechend seiner bisherigen Leistungen und zukünftigen Aufgaben zum „Zentrum für Rheinlandforschung“ entwickelt.

Forschungsgegenstand des An-Instituts ist das Rheinland als Region mit einer eigenen im Hinblick auf Historie, Politik und Kultur, wobei das Zentrum der Erforschung kein fest einzugrenzender Raum ist, sondern vielmehr ein fließendes Konzept, das zwischen Akteur*innen und Zeiten changiert und dessen Vielfalt nur in der Komplexität zu vermitteln ist. Themen, wie zum Beispiel „Modernde und Avantgarde“, „Die Bonner Republik“ sowie die Entstehung und Bedeutung von rheinischen Künstlerkolonien sind dabei nur einige der Kernprojekte, die erforscht werden und deren Ergebnisse in zahlreichen Tagungen, kuratierten Ausstellungen, Studierendenkolloquien und -ausstellungen nicht nur der wissenschaftlichen Fachwelt, sondern auch der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt werden.

In der Frage nach der Verantwortung von Wissenschaft und Kulturbetrieb gegenüber der Gesellschaft ist der Austausch mit einer größeren Öffentlichkeit Teil der Aufgabe, der sich auch die „Moderne im Rheinland“ verpflichtet.

Dr. Jasmin Grande, stellvertretende Leiterin des Instituts „Moderne im Rheinland“ und Mitglied im Beirat des Arbeitskreises zur Erforschung der „Moderne im Rheinland“ e.V.

„Rhetorik der Regionen“ - Regionen im Vergleich - die Region stellt sich aus

Als Grundlage zur Erforschung von Regionen dient das von Prof. Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann, Leiterin des Instituts „Moderne im Rheinland“ und Vorsitzende des Arbeitskreises zur Erforschung der „Moderne im Rheinland“ e.V., entwickelte Modell der „Rhetorik der Regionen“, insbesondere mit seinen Forschungsergebnissen zu den Basiskonzepten von Region, Identität und Komparatistik sowie die daran anknüpfende Perspektive von Jasmin Grande, die Regionen als Wissenskonstrukte untersucht. Darüber hinaus werden kulturelle Produkte, Ereignisse, Interaktionen und Inhalte im Hinblick auf ihre Raumreferentialität genauso untersucht, wie auch die Dreiländerecken Preußen, Frankreich und Rheinland sowie Niederlande, Belgien und NRW im Fokus der Forschung stehen. Ein weiterer Untersuchungsgegenstand ist das Format der Ausstellung, das als Maßnahme der Profilierung und Imagepflege im Sinne von Kunst-, Gewerbe-, Industrie- und Gartenausstellungen als Mittel zur regionalen Selbstdarstellung erforscht wird.


Fünf Fragen - Fünf Antworten

Im Gespräch: Dr. Jasmin Grande, stellvertretende Leiterin des Instituts „Moderne im Rheinland“ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Mitglied im Beirat des Arbeitskreises zur Erforschung der „Moderne im Rheinland“ e.V.

Wir haben im Institut viel - und tun das bis heute - darüber diskutiert, welche Forschungsimpulse uns der Name unseres Instituts vorgibt. Als der Arbeitskreis vor dreißig Jahren gegründet wurde, provozierte der Titel, weil man die Moderne als zentralistischen Begriff verstand, der jenseits von Berlin oder Paris nicht vorkam. Inzwischen ist aber klar, dass „die Moderne“ vielmehr eine Matrix ist, deren Format von den jeweiligen Orten abhängt. Nun würde ich noch einen Schritt weiter gehen: Neben dem Epochenkonstrukt und der Bündelung von Stilen ist der Begriff Moderne selbstreflexiv, indem er nach Verhältnissen in einem ZeitRaum zu sich selbst fragt.

Der zweite Teil unserer Titelmatrix bezieht sich auf eine Region: das Rheinland. Auch hier ist es so, dass das Rheinland mehr als eine Verwaltungseinheit ist und auch „Jefühl“ reicht nicht aus, um die Region zu beschreiben. In Verbindung mit Moderne erhält das Rheinland aber eine kulturtopographische Zuordnung, die z.B. Fragen nach der Lesart von Landschaft, dem Strukturimpuls des Rheins auf die Regionen, das Herausarbeiten spezifischer Ereignisse und Themencluster wie Nachkriegszeiten, Ausstellungen, Künstler*innengruppen oder Avantgarde in der Region erfragt.

Die Parallelität von Verein und An-Institut ergibt sich aus unserer Geschichte: zuerst wurde ein lockerer Arbeitskreis gegründet und mit der Anbindung an die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf wurde der Arbeitskreis in einen Verein umgewandelt. Das war die juristische Basis für das An-Institut. Inzwischen haben sich beide Formate weiterentwickelt, die Schnittstellen sind v.a. inhaltlicher Art: Sowohl der Verein als auch das An-Institut arbeiten zur „Moderne im Rheinland“. Mit der Etablierung eines Forschungsverbunds „Bonner Republik“ ist das An-Institut näher an die Philosophische Fakultät gewachsen, der Verein ist dafür umso mehr ein Ort des Austauschs mit Forschenden jenseits der Universität geworden: aus Museen, Kultur, Archiv, Theater, Geschichtsvereinen, etc. Die Arbeit an den Themen gestaltet sich im Verein und im An-Institut sehr unterschiedlich. Natürlich sollen diese unterschiedlichen Perspektiven nicht lose nebeneinander bestehen, sondern sich synergetisch zueinander verhalten. Theorie und Praxis sind zwei Facetten von Wissenschaft. 

Interdisziplinarität gehört zu den Aufgaben, die wir vom Ministerium mit auf den Weg bekommen haben, insofern ist der Austausch über die Disziplinen sozusagen unser Kerngeschäft. Im Verein findet das durch die verschiedenen Mitglieder und ihre jeweilige berufliche Verortung statt. Im Institut arbeiten wir in einem Netzwerk, das sich aus ganz unterschiedlichen, internationalen Netzwerken zusammensetzt. Und natürlich im Forschungsverbund „Bonner Republik“ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Allen unseren Forschungsthemen liegt die Frage zugrunde, inwiefern sich mit ihnen eine spezifische Perspektive auf die Region erarbeiten lässt und aus oder in die Region zurückwirken. Das lässt sich an unserer Arbeit zu Künstlerkolonien gut zeigen. Im Rheinland gibt es eine signifikante Dichte an Künstlervereinigungen, eine davon ist die Kalltalgemeinschaft, zu der wir im Moment sehr intensiv arbeiten (www.kalltalgemeinschaft.de). Insgesamt lässt sich zeigen, dass hier eine Praxis der Künstlerkolonie erprobt wurde, die dann an weiteren Orten relevant wurde. Prof. Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann schließt gerade eine Publikation zur Künstlergemeinschaft in Positano zu Beginn des 20. Jahrhunderts ab, wo viele Künstler*innen aus dem Rheinland ihre Erfahrungen weitergegeben haben.

Im Herbst erscheinen zwei Bände von Dr. Eva Wiegmann und mir zu dem Kunsttheoretiker und Schriftsteller Carl Einstein. Carl Einstein wurde in Neuwied geboren, lebte dann aber vor allem in Berlin und Paris. Die Transkulturalität und Transdisziplinarität seines Ansatzes, also die Frage, wie er und mit ihm kulturelle, regionale, intellektuelle Austauschprozesse im Rheinland angestoßen werden, knüpft konkret an unsere Titelmatrix „Moderne im Rheinland“ an: so fordern die Kölner Progressiven Einstein z.B. heraus, es ist eine Art Battle, in der sich die Avantgarde des Rheinlands gegenüber Berlin positioniert.

Das ist ganz unterschiedlich. Seit vielen Jahren werden z.B. die Ergebnisse der vom Institut angeregten Arbeiten in der eigenen Reihe „Düsseldorfer Schriften zur Kultur- und Literaturwissenschaft“ veröffentlicht. Die Reihe zur „Bonner Republik“ beim Transcript Verlag wird von Prof. Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann, Prof. Dr. Jürgen Wiener, der auch Vorstandsmitglied im Verein ist, Prof. Dr. Ulrich Rosar und mir betreut. Der Diskurs wird aber immmer auch aktualisiert: So gibt es z.B. das Projekt „Glasgalaxien“, das maßgeblich von Studierenden der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf entwickelt wurde. Im Rahmen einer Unkonferenz im NRW Forum haben wir 2019 das Projekt eröffnet. Aktuell gebe ich ein Seminar gemeinsam mit Fabian Korner und Prof. Dr. Stefan Egelhaaf (Professor für die Physik der weichen Materie) zum Thema.

Prof. Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann hat ein Seminarkonzept entwickelt – Archiv, Museum, Ausstellung – in dem Studierende über die Erarbeitung eines Themas im Archiv und dessen Aufbereitung für eine Ausstellung Transferprozesse zwischen Universität und Kulturpraxis kennenlernen.

Besonders stolz bin ich auf die Kooperation mit Prof. Dr. Moritz Baßler (Germanistik, LMU Münster) zur Kunsttheorie Carl Einsteins im Sommersemester 2019. Die Studierenden haben auf unserer Tagung Poster präsentiert, die sie in einer Seminarkooperation zwischen Germanistik in Münster und Kunstgeschichte in Düsseldorf erarbeitet haben. Die Poster wurden am Tagungsort, dem Kultur.Bahnhof.Eller professionell ausgestellt und bildeten einen wichtigen Baustein zu den Vorträgen.


Autorin: Andrea Rosicki

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