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Leuchtende Schrift: Meet me for Coffee auf braunem Hintergrund

Wie sieht die Universität der Zukunft aus? Welches Erlebnis an der Philosophischen Fakultät bleibt in Erinnerung?  Welcher alternative Beruf wäre in Frage gekommen? Dieser und weiterer Fragen geht die neue Interviewreihe nach. „Auf einen kurzen Kaffee mit ...“ stellt in regelmäßigen Abständen die vielfältigen Menschen an der Philosophischen Fakultät vor und gewährt damit einen kleinen Blick hinter die "Kulissen".

Auf einen kurzen Kaffee mit ...

Univ.-Prof. Dr. Achim Landwehr, Dekan der Philosophischen Fakultät

Univ.-Prof. Dr. Achim  Landwehr ist Historiker und studierte in Augsburg, Freiburg, Basel und Dublin. Nach diversen universitären Stationen ist er seit 2003 an der Heinrich-Heine-Universität; zunächst auf einer Juniorprofessur für Europastudien, ab dem Jahre 2008 auf einer W3-Professur für Geschichte der Frühen Neuzeit. Seit 2019  ist Landwehr Dekan der Philosophischen Fakultät. Er ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen.

Kaffee trinkt er nicht nur gerne mit Milch, sondern insgesamt auch in zu großen Mengen.

Ich beschäftige mich vornehmlich mit administrativen Angelegenheiten, die die Fakultät betreffen. Vor allem heißt das: Organisation der knappen Ressourcen Finanzen und Personalstellen. Wenn zwischendurch ein wenig Zeit bleibt, überlege ich mir, wie man die großartige Philosophische Fakultät vielleicht noch besser machen könnte.

Und wenn dann noch Zeit bleibt, versuche auch ein paar Minuten für die Wissenschaft zu reservieren. Dabei beschäftige ich mich am liebsten mit Nichts. Besser gesagt: Mit den Möglichkeiten einer Geschichte der Leere. Und mit der Geschichte von Flüssen, insbesondere dem Rhein.

Man braucht für die Ausübung meiner Tätigkeiten (es sind ja gleich mehrere) sicherlich mehr Fähigkeiten, als ich aufzuweisen habe. Neben wissenschaftlicher Expertise, einem Studium der Verwaltungswissenschaften, Grundkenntnissen in Psychologie, Baurecht und Pandemiebekämpfung ist Geduld fraglos von Vorteil. Nur fürchte ich, in keinem dieser Felder besonders gut zu sein.

Ganz gleich, ob für Studium oder Beschäftigung an der Philosophischen Fakultät: Offenheit für Vielfalt ist wichtig. Sich einzulassen, auf unterschiedliche Themen, Ansätze, Herangehens- und Sichtweisen, kann man hier lernen. Und Toleranz angesichts von Arbeitsprozessen, die immer noch verbessert werden können, muss man hier zwangsläufig lernen.

Die Universität der Zukunft muss nicht auf der Basis struktureller Defizite operieren, existiert nicht von der freiwilligen Selbstausbeutung der Mitarbeitenden, zeigt sich als gute Arbeitgeberin gegenüber den Beschäftigten, bietet den Studierenden Möglichkeiten des Lernens, die den damit verbundenen, hohen Ansprüchen gerecht werden – und ist darüber hinaus ein Ort, an dem Kollektive kritisch über sich selbst und andere nachdenken können, unabhängig von geldwerten Vorteilen oder unmittelbarer Nutzanwendung.

Da gab es vielleicht mal alternative Vorstellungen, aber die sind inzwischen verschüttet. In der Wissenschaft kommt tatsächlich alles zusammen, was ich gerne tue (und es kommen sogar noch ein paar Dinge dazu, die ich nicht so gerne tue). Daher: alternativlos.

Es gibt viele Erlebnisse, die mir in Erinnerung bleiben. Aber besonders schön ist immer der „Heinrich!“, der Slam der PhilFak (der hoffentlich bald wieder stattfinden kann). Da kommen Wissenschaft, Unterhaltung und Engagement für die Fakultät auf einzigartige Weise zusammen. Und dann natürlich die Examensfeiern! Zu sehen, wie viel den Studierenden ihre Zeit an unserer Fakultät bedeutet, hilft immer wieder über Selbstzweifel am eigenen Tun hinweg.

Beruflich möchte ich dazu beitragen, während meiner Amtszeit als Dekan die Fakultät hoffentlich ein klein wenig besser zu machen. Und dann meine großen Texthaufen zu einer Geschichte der Leere irgendwann mal zu einem Buch zu kneten. Und ich möchte gerne weniger Zeit für den Beruf aufwenden, um auch noch etwas Privates erreichen zu können.

Die Liste wäre zu lang, um sie hier aufzuführen. Anregungen kommen aber nicht nur aus der Wissenschaft, sondern vielfach aus der Literatur oder aus der Musik. Die Streichquartette von Schostakowitsch; die Sprachgebilde von Oswald Egger; der Buntspecht auf der Eibe gegenüber, der gelassen auf mich herabblickt – um ein paar ganz aktuelle Beispiele zu nennen.

Weil es von meinem Zuhause so naheliegt und ich jedes Mal begeistert bin, wie ländlich es an den Rändern von Düsseldorf sein kann: das Rotthäuser Bachtal.

Um die Erfahrung zu machen, dass eine andere Universität möglich ist (und weil es mir von einem lieben Kollegen geschenkt worden ist): Maggie Berg/Barbara K. Seeber: The slow professor. Challenging the culture of speed in the academy, Toronto 2016.

Autorin: Andrea Rosicki

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