Mit einem höchst unterhaltsamen Vortrag zu Intensivierungsmustern im Deutschen konnte Nina Böbel beim diesjährigen „Heinrich“, dem Science Slam der Philosophischen Fakultät, den gleichnamigen Preis gewinnen.
Anhand von Beispielen aus Trash-TV-Formaten und Überschriften aus Zeitungen und Zeitschriften zeigte Böbel verschiedene Arten der Intensivierung auf, von „sehr, sehr gut“ über „Brutal männlich“ bis hin zu „Slowenien extrem“. Zudem zeigte sie, wie sich Gruppen solcher Intensivierungsmuster als Netzwerke modellieren lassen. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf die quantitative Verteilung verschiedener Intensivierungsstrategien ziehen.
Zu einem der Running Gags des Abends wurde ein Ausschnitt aus einem Reality-TV-Format, in dem ein Teilnehmer von einem „richtigen Full-Circle-Moment“ spricht, was in den Untertiteln der Show als „Vollkreis-Moment“ übersetzt wird. Ihren ganz persönlichen „Vollkreis-Moment“ erlebte Nina Böbel dann, als sie den Wanderpokal HEINRICH überreicht bekam.
Weitere Slambeiträge aus der Sprach- und Politikwissenschaft
Ihr dicht auf den Fersen war in der Publikumsabstimmung Aaron Kassat aus der Anglistik, der ebenfalls über ein sprachwissenschaftliches Thema sprach, nämlich die Frage nach dem Verhältnis von Präskriptivismus und Deskriptivismus im Reden über Sprache. Während populärwissenschaftliche Darstellungen und Alltagsdiskurse über Sprache oft darauf abzielen, quasi Regeln für vermeintlich „richtiges“ und „gutes“ Deutsch zu formulieren (Präskriptivismus), ist die Sprachwissenschaft am tatsächlichen Sprachgebrauch interessiert (Deskriptivismus). Sprachliche Veränderungen werden nicht als Anzeichen von Sprachverfall gesehen, sondern vielmehr als Beleg dafür, dass sich jede lebendige Sprache immer weiterentwickelt. In einem Punkt sei er aber selbst nicht frei von einem gewissen Präskriptivismus, stellte Kassat augenzwinkernd fest – nämlich dann, wenn Leute „Krem“ mit K schreiben.
Zwei weitere Beiträge, die aus der allgemeinen Sprachwissenschaft kamen, handelten ebenfalls von linguistischen Themen: Anhand eines Songtextes der Gruppe Montreal, der mit den verschiedenen Lesarten des Verbs „liegen“ spielt, verdeutlichte Niklas Wiskandt, dass Mehrdeutigkeit in der Sprache eher die Regel als die Ausnahme ist – und dass deshalb die meisten Argumente von Leuten, die meinen, es müsse „Sinn ergeben“ statt „Sinn machen“ heißen, weil man Sinn nicht machen könne, keinen Sinn machen.
Lena Schwarz stellte mit „uncooperative interpreters“ das Thema ihrer kürzlich erfolgreich verteidigten Dissertation vor. Damit ist gemeint, dass Personen eine Äußerung absichtlich falsch verstehen, etwa im Fall der Lehrkraft, die auf die Frage „Kann ich mal aufs Klo?“ antwortet: „Ich weiß nicht, ob du das kannst!“ Sie machte auch deutlich, dass solche unkooperativen Interpretationen sprachlicher Auslegungen politisch und juristisch relevant sein können.
Um ein ganz anderes, aber keineswegs weniger relevantes Thema ging es bei Daniel Hagemann aus der Politikwissenschaft, der über eines seiner Schwerpunktthemen sprach, nämlich die Wahl-O-Mat-Forschung. Am Beispiel eines vor kurzem veröffentlichten scherzhaften „Wal-O-Mats“ (ohne H!), in dem die Teilnehmenden entscheiden sollten, welches Schicksal der in den Medien wahlweise „Timmy“ oder „Hope“ getaufte Wal ihrer Meinung nach ereilen soll („Team Retten“, „Team Liegen lassen“, „Team Sprengen“), auf welche Aspekte bei der Erstellung des tatsächlichen Wahl-O-Mats (mit H!) geachtet wird. Beispielsweise wisse man, dass sprachliche Merkmale stark beeinflussen, wie Menschen auf die im Wahl-O-Mat präsentierten Thesen reagieren. Bei der Auswahl und Formulierung der Fragen müsse unter anderem darauf geachtet werden, dass sie für möglichst alle relevant und zudem verständlich formuliert seien.
Durch den Abend führte gewohnt souverän und unterhaltsam Elena John, selbst eine ehemalige Gewinnerin des Heinrich-Slams. Das Organisationsteam, Kristina Rubarth von der Graduiertenakademie PhilGRAD und Stefan Hartmann vom Institut für Germanistik, dankte in den Abschlussworten allen, die im Hintergrund zum Gelingen des Abends beigetragen hatten: den Hilfskräften, die unter erschwerten Bedingungen durch die große Hitze tatkräftig mit angepackt hatten, und dem Team des Medienlabors, das dankenswerterweise eine Aufzeichnung der Veranstaltung angefertigt hat. Nach dem Slam hatten die Anwesenden noch Gelegenheit, sich bei einem kleinen Empfang mit kühlen Getränken, Brezeln und Obst zu versorgen.
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