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Ringvorlesung des Forschungsverbundes zur "Bonner Republik"

Plakat zur Veranstaltung, gelber Hintergrund und lila Hand mit Victoryzeichen Zoom

Ost/West – in der Bonner Republik

Osten und Westen sind innerhalb der Bundesrepublik geschichtsträchtige Himmelsrichtungen, die den Zeitraum zwischen 1949 und 1989/90 in Erinnerung rufen sowie Fragen nach dem Stand der Wiedervereinigung nach dreißig Jahren aufwerfen. Als Synonyme verweisen sie auf die Differenz der politischen Systeme und der sich daraus entwickelnden gesellschaftlichen Strukturen, Institutionen und Ereignisse zwischen Kooperation und Konflikt, Annäherung, Bruch, Abgrenzung und den unterschiedlichen Motivationen dahinter: z.B. Spionage, Propaganda, Pazifismus, Familie und Freundschaft, Revolution und natürlich Kulturtransfer.

Diesen Bewegungen zwischen Ost und West in der Bonner Republik geht die Ringvorlesung des Forschungsverbunds zur Bonner Republik im Wintersemester 2022/23 nach. Wie gewohnt referieren die Mitglieder des Verbunds aus ihren Disziplinen und ihrer aktuellen Forschung. Die Perspektiven aus der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf werden durch Gäste aus Berlin, Bedburg-Hau und Leipzig komplettiert.

  • 03.11.2022, Filmvorführung und Diskussion finden im FFT statt, 18.00 bis 19.30 Uhr
    Ricarda Roggan, Professorin für Fotografie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und Künstlerin aus Leipzig: „Protokoll Stadt N“ und „Strukturuntersuchung Stadt N“, Filmvorführung mit anschließender Diskussion, Moderation: Juniorprofessorin Dr. Maren Butte, Dr. Jasmin Grande
    Gezeigt werden die Werke „Protokoll Stadt N“ und „Strukturuntersuchung Stadt N“, der in Leipzig lebenden Künstlerin Ricarda Roggan. Mit der Filmvorführung sowie dem anschließenden Gespräch mit der Künstlerin schließt die Ringvorlesung im Wintersemester 2022/23 an das Thema der vorangegangenen Ringvorlesung an –„Werte/Wandel. Alltag in der Bonner Republik“ – und verlagert den räumlichen Schwerpunkt in die DDR: welche Normen und Werte lagen der politischen Idee und Utopie der DDR zugrunde, wie wurden sie in die Realität übersetzt und in welchem Verhältnis standen sie zum Alltag? Ricarda Roggan geht in ihren Werken der Entwicklung dieser Normierungen nach, ihrer Relevanz für den Alltag sowie dem Bruch nach dem Ende der DDR und arbeiten zu der Frage, wie diese Prozesse erinnert werden können, um Material zur Veränderung zu sein. 

Die folgenden Vorträge finden im Haus der Universität Düsseldorf jeweils von 18.00 bis 19.30 Uhr statt:

  • 10.11.2022 Prof. Dr. Guido Thiemeyer, Institut für Geschichtswissenschaft, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf: Kölner Journalisten in Osteuropa und in der DDR 1955-1970. Eine andere Perspektive auf die „Neue Ostpolitik“
    Der Vortrag behandelt westdeutsche Journalisten, die zwischen 1956 und 1970 aus Osteuropa und der DDR für westdeutsche Medien berichteten. Welche Bilder des Ostens vermittelten sie im Westen, welche Bilder des Westens zeichneten sie im Osten? Die Kernthese des Vortrags ist, dass der „Wandel durch Annäherung“ schon lange vor der „Neuen Ostpolitik“ begonnen hat.
     

  • 17.11.2022 Prof. Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann, „Moderne im Rheinland“ Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf: Von Ort zu Ort. DDR Export ins Rheinland
    Köln, 13. November 1976, ein legendärer, politisch folgenreicher Kreidekreis auf der Bühne der Kölner Sporthalle: Auf einem Konzert zeichnet der DDR-Schriftsteller und Liedermacher Wolf Biermann einen Kreis, eine Mini-DDR, um sich, um quasi in einer Art ambulanter Vertretung die kulturelle Identität der DDR zu besingen, „seiner“ DDR und die seiner kritischen Zeitgenossen. Ihren teils erzwungenen und sympathetisch nachfolgenden Exodus kennen wir. Er trägt wesentlich zum Ende der DDR bei, auch die Bereicherung der kulturellen Szene in Zeiten der Bonner Republik partizipiert davon.  

    Ost und West haben verbindende Orte. Die Bonner Republik bietet sich auch als ein Ort der Begegnung an. Es reizt, dieser Bewegung und dem Bewegenden, Gemeinsames und Trennendes, nachzugehen und die Orte zu erkunden, an und mit denen sich daraus ein kulturwissenschaftlich markantes kulturelles Profil der Zeit erkennen lässt. Nicht nur in Köln begegnen sich die Systeme, auch Dortmund mit seiner Gruppe 61 und Berlin-Friedrichshagen tragen zur literarisch-politischen Landkarte insbesondere der 1960er und 1970er Jahre bei. 
     

  • angefragt: 24.11.2022 Dr. Antje-Britt Mählmann, Museum Schloss Moyland: Kulturtransfer Ost-West: Perspektivwechsel. Sammlungen nach 1945 in Lübeck und Rosteck (Arbeitstitel)
     

  • 01.12.2022 Dr. Jasmin Grande, „Moderne im Rheinland“/Zentrum für Rheinlandforschung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf: „Berührung ist auch nur eine Randerscheinung“. Literaturtransfer zwischen Ost und West
    1985 erschien in Köln die Anthologie „Berührung ist auch nur eine Randerscheinung. Neue Literatur aus der DDR“ (Erb, Anderson). Nur wenige Jahre vor dem Verschwinden der Grenze, stellt die Anthologie den Versuch dar, vor der Grenze als „Einteilungsprinzip“ (Manchow, Winkels) einen uneingeschränkten Blick in die Literaturproduktion der DDR zu vermitteln. Der Vortrag arbeitet die Positionen der Anthologie heraus und fragt nach den Erkenntnispotential des Literaturtransfers zwischen Ost und West im Bewusstsein der Grenze sowie seiner Flüchtigkeit.
     

  • 8.12.2022 Juniorprofessorin Dr. Maren Butte, Institut für Medien- und Kulturwissenschaft, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf: Jenseits von Berlin. Über Formen des (politischen) Theaters in der Bonner Republik
    Ähnlich wie die anderen Künste wird das Theater der deutschen Nachkriegsjahre und der Bonner Republik zu einem Verhandlungsort für gesellschaftliche und politische Fragen. Besonders in Stadträumen wie Berlin, Bochum, Bremen, Frankfurt am Main wurden neue Formen des Theaters erprobt, die sich aus ihrem je eigenen Kontext heraus mit der jeweiligen politischen Situation von BRD und DDR auseinandersetzten, bzw. staatliche Vorgaben umsetzten. Die neuen ästhetischen Verfahren, wie das Dokumentar- oder Regietheater im Westen, sozialistischer Realismus und neue Dramatik im Osten, dienten als Aufarbeitungs- und Erinnerungsinstrumente, bzw. als Denkstrategien utopischer Räume, als Propaganda oder verstellte Kritik. Doch lässt sich eine allgemeine binäre Unterscheidung der Theaterkonzepte und -stile bei genauerem Hinsehen nicht ohne Weiteres treffen; vielmehr erscheinen die Einflusslinien zwischen Ost und West(ernisierung) während der Bonner Republik vielfältig und teils widersprüchlich. Der theaterhistorische Vortrag widmet entlang von konkreten Beispielen des Theaters der Bonner Republik den (unterbrochenen) Theater-Beziehungen zwischen Ost und West: den personellen und künstlerischen Austausch- und Abgrenzungsbewegungen zwischen den Theatern, insbesondere in den 1960 und 1980er Jahre – mit besonderem Fokus auf Nordrhein-Westfalen. Welches Welt-Verständnis lässt sich an den ästhetischen Strategien der jeweiligen Theater ablesen und wie wirkte das politische Theater der Zeit in das Selbstbild der Bonner Republik ein und umgekehrt? Wie griff das „erneuerte“ Theater der Bonner Republik das Alltägliche und das Imaginäre auf, das Gefühl eines provisorischen „Geteilt-Seins“?
     

  • 15.12.2022: Dr. Julia Friedrich, Jüdisches Museum Berlin: Arbeitstitel "Der geteilte Picasso. Der Künstler und sein Bild in der BRD und der DDR"
     

  • 12.01.2022: Prof. Dr. Ulli Seegers, Institut für Kunstgeschichte, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf: Arbeitstitel "Die Rolle der Kunst beim Aufbau der BRD am Beispiel der Documenta"
     

  • 19.1.2023: Prof. Dr. Volker Dörr, Institut für Germanistik, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf: „VEB Goethe [und Schiller]": Weimar und seine Klassik im Licht der deutschen Teilung
    Die DDR verstand sich als Bewahrerin des Erbes der Weimarer Klassik. Zentrale Instanz dafür waren die 1953 begründeten "Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar". Deren Selbstverständnis, aber auch den Kooperationen und Konflikten mit der Literaturwissenschaft der Bonner Republik soll sich der Vortrag zuwenden.
     

  • 26.1.2023 Prof. Dr. Hans Körner, Institut für Kunstgeschichte, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf: Kunst zwischen den „Blöcken“. Der Bildhauer Gustav Seitz in DDR und BRD
    Der 1906 in Mannheim geborene Gustav Seitz studierte nach einer Ausbildung als Steinmetz zuerst an der Landeskunstschule in Karlsruhe dann in Berlin. Nach Krieg und Kriegsgefangenschaft kehrte Seitz 1945 in sein zerstörtes Berliner Atelier zurück. Seit 1946 lehrte er an der Technischen Universität in Berlin Charlottenburg (Westberlin), wurde aber schon im Folgejahr an die Berliner Hochschule für Bildende Künste (Ostberlin) berufen. 1950 wählte man ihn zum Gründungsmitglied der „Deutschen Akademie der Künste“ in Ostberlin. Daraufhin stellt ihn der Westberliner Magistrat vor die „Wahl zwischen Ihrer Mitgliedschaft in der ostzonalen Akademie der Künste und Ihrem Lehramt an der Hochschule für Bildende Künste“ im Westen. Er entschied sich für sein künstlerisches Engagement in Ostberlin, doch die immer deutlicher werdende Unvereinbarkeit seiner künstlerischen Vorstellungen mit dem „Sozialistischen Realismus“ der DDR bewegte ihn, 1958 den Ruf an die Hochschule der Bildenden Künste in Hamburg anzunehmen. Höhepunkt seiner beruflichen Tätigkeit im Westen war – ein Jahr vor seinem Tod – die Einladung, 1968 im deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig auszustellen. Der Höhepunkt und der Absturz: In der westdeutschen Öffentlichkeit verspottete man ihn als „freundlichen Akademiker“ und als „Kunstgreis“. Exemplarisch erlebten Seitz und seine Kunst die politische und eben auch im Kunstbetrieb manifeste Konfrontation der beiden Systeme. Der Vortrag wird das nachzeichnen, doch er wird auch versuchen, diesem heute kaum mehr bekannten Bildhauer Gerechtigkeit widerfahren zu lassen: Als einen der bedeutendsten deutschen Künstler der frühen Nachkriegszeit, nicht trotz seines ungesicherten Status zwischen den „Blöcken“, sondern auch und gerade deswegen.
     

  • 02.02.2023 Monika Boll: Wolf Biermann in der DDR: „ein durch die westlichen Medien vermittelter Künstler des Ostens“ (Rudi Dutschke). Einführung und Gespräch zum Dokumentarfilm von Peter Laudan "Wolf Biermann,  Dichter und Sänger", WDR 1974, ca. 45 Min. 
    Seit 1965 hatte Wolf Biermann in der DDR Publikations-, Auftritts- und Reiseverbot. In der Folge wurde seine Wohnung Chauseestraße 131 zum Aufnahmestudio, zur Konzertbühne und zum Treffpunkt für Gäste aus Ost und West. Der  Film entstand im Auftrag des WDR, Drehort war Ostberlin. Peter Laudan stellte darin die Arbeit und die politische Lage Biermanns vor. Beide verstanden den Film als Flaschenpost, die via Westfernsehen das Publikum in der DDR erreichen sollte. 

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