Nach ihrer langjährigen Tätigkeit als Professorin für Mittelalterliche Geschichte scheidet Eva Schlotheuber zum Ende des Monats Februar aus dem Dienst
Eva Schlotheuber studierte Geschichte, Archäologie und Anthropologie in Göttingen und Kopenhagen. Nach dem Magisterabschluss 1986 an der Universität Göttingen war sie ebendort bis 1993 wissenschaftliche Mitarbeiterin und promovierte 1994 bei Prof. Dr. Hartmut Hoffmann zum Thema „Die Franziskaner in Göttingen. Die Geschichte des Klosters und seiner Bibliothek“. Konzeption der Ausstellung „700 Jahre Paulinerkirche“ über die Göttinger Bettelorden in Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek Göttingen. Von 1996 bis 1998 folgte ein Forschungsstipendium der Wissenschaftsstiftung Thyssen für die kommentierte Edition des lateinischen ‚Konventstagebuchs‘ des Heilig-Kreuzklosters bei Braunschweig (1484–1507), von 1997 bis 1999 die Mitgliedschaft im Göttinger Graduiertenkollegs „Kirche Gesellschaft im 15. und 16. Jahrhundert“. Im Anschluss folgten jeweils die wissenschaftliche Assistenz am Historischen Seminar der TU Braunschweig und der LMU München.
2003 habilitierte sich Eva Schlotheuber an der LMU zum Thema „Klostereintritt und Bildung. Die Lebenswelt der Nonnen im späten Mittelalter. Mit einer Edition des ‚Konventstagebuchs' einer Zisterzienserin von Heilig-Kreuz bei Braunschweig (1484-1507)“. Im Jahre 2006 wurde ihr der ‚Therese von Bayern Preis‘ der LMU München für „herausragende Forschungsarbeiten und Forschungskonzeption an der Schnittstelle von mittelalterlicher Bildungs-, Kirchen- und Kulturgeschichte“ verliehen.
An der WWU Münster hatte sie von 2007 bis 2010 die Professur für die Geschichte des Spätmittelalters und der Historischen Hilfswissenschaften inne, 2010 folgte sie dem Ruf auf die Professur für Mittelalterliche Geschichte an der HHU. Im Wintersemester 2021/22 übernahm Schlotheuber eine Gastprofessur im italienischen Pavia, ab dem Sommersemester 2022 bis zum Wintersemester 2023 war sie Fellow des Käte Hamburger Kollegs „Einheit & Vielfalt im Recht“ an der Universität Münster. Im Sommersemester 2025 hatte sie erneut eine italienische Gastprofessur im Rahmen des Exzellenzprogramms der Universität Bologna.
Von 2016 bis 2021 war sie als erste Frau Vorsitzende des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e.V. Seit April 2020 ist sie gewähltes Mitglied der American Philosophical Society (APS) und seit 2020 Corresponding Fellow of the Medieval Academy of America.
Schlotheuber war und ist Mitglied in vielen weiteren Kommissionen, Verbänden und Beiräten. Zu erwähnen ist hier insbesondere die Mitgliedschaft von 2007 bis 2010 im Exzellenzcluster "Religion und Politik" der WWU Münster mit dem Ausstellungs-Projekt "Goldene Pracht" 2008-2012.
Seit 2014 ist sie ordentliches Mitglied der Zentraldirektion der Monumenta Germaniae Historica, seit 2015 Mitglied der Kommission für die Herausgabe der mittelalterlichen Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz der Bayerischen Akademie der Wissenschaften sowie seit 2022 Mitglied des Beirats des FIZ Karlsruhe, Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur. Im Jahre 2023 folgte die Mitgliedschaft im Wissenschaftlichen Beirat der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, seit 2025 in der Vereinigung für Verfassungsgeschichte.
Ebenso engagiert sie sich im Bereich Digital Humanities und war unter anderem 2018 Mitantragstellerin der Konsortiumsinitiative NFDI4memory.
Eva Schlotheuber veröffentlichte als Autorin und Mitautorin zahlreiche bedeutende Werke, darunter die viel besprochenen Publikationen ‚Die Goldene Bulle von 1356. Das erste Grundgesetz des römisch-deutschen Reichs. Nach König Wenzels Prachthandschrift‘ (mit Maria Theisen), ‚Unerhörte Frauen. Die Netzwerke der Nonnen im Mittelalter‘ (mit Henrike Lähnemann), ‚Netzwerke der Nonnen. Kritische Edition der Briefsammlung der Lüner Benediktinerinnen‘ (zusammen bearbeitet mit Henrike Lähnemann, Philipp Trettin, Lena Vosding, Philipp Stenzig, Torsten Schaßan, Simone Schultz-Balluff, Wolfgang Seifert und Edmund Wareham Wanitzek) sowie ‚Liturgical Life and Latin Learning at Paradies bei Soest, 1300-1425: Inscription and Illumination in the Choir Books of a North German Dominican Convent‘ (zusammen mit Jeffrey F. Hamburger, Susan Marti und Margot Fassler), welches die wertvollen Publikationen der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf der HHU erschließt.