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Die Philosophische Fakultät trauert um Prof. Dr. Dres. h.c. Gert Kaiser († 27. Mai 2026)

Schwarz-Weiß-Aufnahme von Professor Gert Kaiser am Rednerpult Zoom

Am 27. Mai 2026 verstarb Prof. Dr. Dres. h.c. Gert Kaiser, Rektor der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf in den Jahren 1983 bis 2003 und Dekan der Philosophischen Fakultät in den Jahren 1980 bis 1981. Mit Gert Kaiser verliert die Heinrich-Heine-Universität (HHU) eine ihrer prägenden Persönlichkeiten. Die Philosophische Fakultät verliert einen Gelehrten, akademischen Lehrer und hochschulpolitischen Gestalter, der ihr über Jahrzehnte eng verbunden war und ihre Entwicklung nachhaltig geprägt hat.

Gert Kaiser wurde am 18. Juni 1941 in Hardheim im Odenwald geboren. Er studierte Germanistik, Geschichte und Romanistik in München und Heidelberg, wo er auch 1964 mit der Arbeit „Beiträge zu den Liedern des Minnesängers Rubin“ promoviert wurde. Im Jahr 1970 habilitierte er ebenfalls an der Universität Heidelberg im Fach Deutsche Philologie. 1973 wurde er zunächst Professor in Heidelberg, bevor er vier Jahre später einen Ruf an die damalige Universität Düsseldorf auf den Lehrstuhl für Ältere Germanistik annahm. Bereits wenige Jahre später übernahm er Verantwortung in der akademischen Selbstverwaltung: Von 1980 bis 1981 war er Dekan der Philosophischen Fakultät. Mit Umsicht, Integrationskraft und großem Verantwortungsbewusstsein setzte sich Gert Kaiser in dieser Zeit für die Interessen der Fakultät ein. 

Als Dekan stärkte er die Philosophische Fakultät in einer wichtigen Phase ihrer Profilbildung. Ihm ging es darum, die Vielfalt der geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Fächer als gemeinsame wissenschaftliche Aufgabe zu verstehen und zugleich den einzelnen Disziplinen Raum zur Entfaltung zu geben. Kolleginnen und Kollegen schätzten seine Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und den innerfakultären Austausch zu fördern. Seine Arbeit war getragen von der Überzeugung, dass die Geisteswissenschaften für das Selbstverständnis einer Universität unverzichtbar sind – als Orte historischer Reflexion, sprachlicher Präzision und gesellschaftlicher Orientierung.

„Während seines Dekanats hat Professor Gert Kaiser Verantwortung übernommen und sich mit großem Engagement dafür eingesetzt, die Philosophische Fakultät in ihrer wissenschaftlichen Vielfalt zu stärken und ihr innerhalb der Universität eine deutliche Stimme zu geben, würdigt Professorin Dr. Ulli Seegers, Dekanin der Philosophischen Fakultät. „Dass unsere Fakultät heute für ihre Breite, ihre geisteswissenschaftliche Stärke und ihre lebendige wissenschaftliche Kultur steht, verdankt sie auch Persönlichkeiten wie ihm. Auch wenn viele von uns ihn nicht mehr in seinem unmittelbaren Wirken als Dekan erlebt haben, ist seine Verbundenheit mit unserer Fakultät bis heute spürbar geblieben. Gert Kaiser gehörte zu den großen Persönlichkeiten, die unsere Fakultät maßgeblich geprägt und ihr über lange Zeit Orientierung gegeben haben. Im Namen der Philosophischen Fakultät verneige ich mich in Dankbarkeit vor seinem Wirken. Wir werden Gert Kaiser als Gelehrten, als Dekan und als einen Menschen in Erinnerung behalten, der unsere Fakultät und Universität nachhaltig geprägt hat.“

Seine Überzeugungen blieben auch in seinem späteren Wirken bestimmend. Von 1983 bis 2003 führte Gert Kaiser die Universität als Rektor. In den zwei Jahrzehnten seines Rektorats – Prof. Kaiser war in seiner Zeit dienstältester Rektor einer deutschen Universität – stellte er mit der Gründung der Wirtschaftlichen sowie der Juristischen Fakultät entscheidende Weichen für ihre Entwicklung zur Volluniversität. 

In die Zeit als Rektor fällt auch die Umbenennung in „Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf“ im Jahr 1988 - ein Moment, auf den er lange Jahre beharrlich und gegen große Widerstände hingearbeitet hatte und der ihm eine Herzensangelegenheit war. Das Land Nordrhein-Westfalen stiftete daraufhin die Heinrich-Heine-Gastprofessur, die seitdem bedeutende Vertreter aus Kultur, Politik und Geistesleben auf den Campus bringt.

Ebenfalls wurden zahlreiche internationale Partnerschaften geschlossen, so mit Universitäten in China, England, Italien, Japan, Tschechien und den USA. Ein besonderes Anliegen war ihm die Partnerschaft mit Israel.

Kaiser wirkte weit über den Campus hinaus. Er schaffte es, die Heinrich-Heine-Universität im Herzen der Düsseldorfer zu verankern und der Stadt das Bewusstsein für „ihre Universität“ zu geben. Er brachte viele Bürgerinnen und Bürger dazu, sich für die Universität zu engagieren. Nach seinem Ausscheiden aus dem Rektorenamt führte er dies fort, ab 2004 bis 2013 als Präsident der Gesellschaft von Freunden und Förderern der HHU, anschließend wurde er zu deren Ehrenpräsident ernannt.

„Nordrhein-Westfalen, Deutschland und Europa verlieren einen ihrer wichtigsten und vielleicht ihren ersten Wissenschaftsmanager. Sein Tod ist ein schwerer Verlust auf vielen Ebenen“, betont die Rektorin der HHU, Prof. Dr. Anja Steinbeck. Er war nicht nur gefragter Ratgeber in verschiedenen politischen Bereichen, sondern bekleidete auch wichtige Leitungspositionen: So war Prof. Kaiser unter vielem anderem Vizepräsident der Westdeutschen Rektorenkonferenz (1987-1989) und Präsident des Wissenschaftszentrums Nordrhein-Westfalen, dem er seit der Gründung 1988 und bis 2008 vorstand. 

Seine wissenschaftliche Heimat liegt in der deutschen Mediävistik. Zu seinen zahlreichen Publikationen zählt unter anderem das 1996 erschienene Buch „Der tanzende Tod, mittelalterliche Totentänze“, in dem er auf die umfangreiche Grafiksammlung „Mensch und Tod“ der HHU zurückgreifen konnte. Darüber hinaus veröffentlichte er zahlreiche Bücher und Aufsätze zu wissenschaftlichen und wissenschaftspolitischen Themen und war ein gefragter Kommentator aktueller Entwicklungen, auch als Kolumnist für die Rheinische Post.

Für sein Wirken erfuhr Gert Kaiser zahlreiche Ehrungen. Neben Ehrendoktorwürden der University of Reading und der Juristischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität ernannte ihn das Interdisciplinary Center Herzliya zum „Honorary Fellow“. Zweimal verlieh ihm die Französische Republik einen Staatsorden, er erhielt weitere Staatsorden der Republik Italien und Japans. Besonders wichtig war ihm die Josef Neuberger-Medaille der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, mit der er 2001 für seine Verdienste um die jüdische Gemeinschaft geehrt wurde. Die Bundesrepublik verlieh ihm unter anderem das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (2004), die Landeshauptstadt Düsseldorf ehrte ihn mit dem Jan-Wellem-Ehrenring (2004).

In großer Dankbarkeit wird die Philosophische Fakultät das Andenken einer ihrer größten Persönlichkeiten in Ehren halten. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm nahestanden.

Kategorie/n: Philosophische Fakultät-News, Fakultät Schlagzeile