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Das Institut für Klassische Philologie trauert um Univ.-Prof. Dr. Jochem Küppers

Univ.-Prof. Dr. Jochem Küppers Zoom

Überraschend ist am 1. August 2021 unser Kollege und ehemaliger Prodekan der Philosophischen Fakultät Professor Dr. Jochem Küppers verstorben. Geboren am 31. 12. 1946 in Haltern (Westfalen), studierte er in Bonn Klassische Philologie, wo er 1975 bei Wolfgang Schmid mit einer, wie die Rezensenten feststellten, grundlegenden Arbeit über den spätantiken Fabeldichter Avian promoviert wurde (Die Fabeln Avians. Studien zu Darstellung und Erzählweise spätantiker Fabeldichtung, Bonn 1977). 1984 habilitierte er sich dort mit Untersuchungen zu dem Flavischen Epiker Silius Italicus, die in der angesehenen Reihe der Untersuchungen zur antiken Literatur und Geschichte erschienen sind (Tantarum causas irarum. Untersuchungen zur einleitenden Bücherdyade der Punica des Silius Italicus [UaLG XXIII], Berlin 1986). 1990 wurde er auf den Lehrstuhl für Latinistik in Gießen berufen und 1997 auf den an der Heinrich-Heine-Universität. 2004 ist er aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand gegangen.

Den Schwerpunkt seiner Forschungen hat Herr Küppers auf den Bereich der lateinischen Literatur der Kaiserzeit und Spätantike gelegt, wo er sich mit einer Vielfalt an Themen beschäftigte, von Seneca und dem pseudovergilischen Moretum über Calpurnius Siculus und Nemesianus bis zum Querolus und Rutilius Namatianus, von der Exegese einzelner Lukan-Stellen über Fragen der Rezeption in Bukolik und Fabeldichtung bis zum Verhältnis von Epistolographie und Autobiographie am Beispiel des Apollinaris Sidonius, schließlich, den Bogen weiter spannend, bis zu Dante, Kant und Annette von Droste-Hülshoff. Aufgrund seiner Kennerschaft wurde er von den Herausgebern des Handbuchs der lateinischen Literatur der Antike (VI 1 = P. L. Schmidt u. a. [Hgg.], Die Literatur im Zeitalter des Theodosius, Erster Teil, München 2020) mit den Kapiteln zum Querolus und zu Avian betraut (ebd. § 621 u. 622); aus dem gleichen Grund stammen von ihm im Neuen Pauly mehrere Artikel auf dem Feld der lateinischen Fabeldichtung.

Die Themen seiner Vorlesungen und Seminare sind davon gekennzeichnet, an die wichtigsten Gattungen und Autoren des Faches heranzuführen, von der Antiken Komödie und Philosophie in Rom über die Römische Liebeselegie und Römische Historiographie bis zur Antiken Dichtungstheorie und ihrer Rezeption bis in die frühe Neuzeit, von Plautus über Vergil, Horaz und Tibull zu Seneca und Tacitus. Herr Küppers war ein beliebter akademischer Lehrer, der die studiosa iuventus für die angebotenen Autoren und Themen zu begeistern wußte. Darüber hinaus nahm er bei aller ihm eigenen Zurückhaltung großen Anteil am Wohlergehen derer, die mit ihm zusammenarbeiteten, die bei ihm studierten, promovierten oder sich habilitierten.

Im Ruhestand war es ihm trotz aller Einschränkungen vergönnt, ein Buch über ein Thema zu verfassen und abzuschließen, das fernab seiner Profession lag, das ihn aber begeistert hat, ein „altes Gemäuer“, Die Johanniterkapelle St. Antonius Eremit zu Bokelesch im Saterland (Saterland 2019 [das Zitat ebd. S. 6]).

Wir werden ihm ein ehrendes Gedächtnis bewahren.
Univ.-Prof. Dr. Markus Stein

Kategorie/n: Philosophische Fakultät, Fakultät Schlagzeile
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