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Ein Spaghetti-Monster mittig in einem Kirchfenster. Im Fenster sind Speckstreifen zu sehen.

Speck-Götter und Spaghettimonster

Ein SFB-Teilprojekt zu Parodiereligionen am Institut für Germanistik

Mit einem ebenso ungewöhnlichen wie spannenden Projekt ist Stefan Hartmann vom Institut für Germanistik am Sonderforschungsbereich (SFB) 1475 „Metaphern der Religion“ beteiligt, für den die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) vor kurzem eine zweite Förderphase bewilligt hat. Der SFB, der an der Ruhr-Universität Bochum angesiedelt ist, mit Teilprojekten an der Leibniz-Universität Hannover und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, untersucht die Rolle von Metaphern in religiösen Sinnbildungsprozessen.

Die Grundidee dabei ist, dass Religionen ihren eigentlichen Gegenstand, nämlich das Transzendente, niemals wörtlich artikulieren können. Daher greifen sie auf Verfahren der bildlichen Darstellung zurück: So wird in christlichen Kontexten Gott beispielsweise als Hirte oder als Licht dargestellt. Man nutzt also Metaphern: Damit ist gemeint, dass eine Übertragung zwischen unterschiedlichen Bedeutungsbereichen stattfindet. 

Metaphern sind nicht nur im religiösen Bereich häufig zu finden, sondern sie prägen auch unsere Alltagssprache. So wäre es ohne die Metapher „Zeit ist Raum“ kaum möglich, über ein abstraktes Konzept wie „Zeit“ nachzudenken: Wenn wir ein Treffen „nach hinten verschieben“ oder wenn das Semesterende „naht“, dann konzeptualisieren wir das abstrakte Konzept „Zeit“ mit Hilfe des konkreten Konzepts „Raum“. Während aber „Zeit“ etwas ist, was wir aus unserer alltäglichen Erfahrung kennen, werden Metaphern in Religionen verwendet, um auf Konzepte Bezug zu nehmen, die sich der menschlichen Erfahrung entziehen – etwa Gottheiten, Unterwelten oder das Jenseits.

Im SFB wird eine große Bandbreite an Religionen untersucht, um die Vielfalt der Metaphern, derer sie sich bedienen, herauszuarbeiten. Mit dem in der zweiten Förderphase neu hinzugekommenen und an der HHU angesiedelten Projekt zu Parodiereligionen unter dem Titel „Mocking Metaphor“ wird die Perspektive noch um einen Sonderfall erweitert, der in vielerlei Hinsicht bemerkenswert ist: Parodie-Religionen weisen einerseits viele Merkmale von (organisierten) Religionen auf, entstehen aber andererseits in der Regel aus einer dezidiert religionskritischen Perspektive heraus. So entstand die wohl berühmteste Parodiereligion, die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters (auch bekannt als Pastafarianismus), aus einem offenen Brief heraus, mit dem ein US-amerikanischer Physiker gegen die Entscheidung protestierte, dass in Kansas die kreatonistische „Intelligent Design“-Theorie an Schulen neben der Evolutionstheorie unterrichtet werden darf. Was als virales Internet-Phänomen begann, entwickelte sich aber schnell zu einer eigenständigen „Religions“-Gemeinschaft mit überraschend großer Anhängerschaft. Ähnliches gilt für andere Parodiereligionen, mit denen sich das Projekt beschäftigt, etwa die „United Church of Bacon“ oder die schon in die 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts zurückreichende „Church of the SubGenius“, bei der neben den großen Weltreligionen auch New-Age-Religionen die Zielscheibe ihres parodistischen Spotts sind. 

In dem ab 1. Juli 2026 für dreieinhalb Jahre laufenden Forschungsvorhaben wird das Projektteam zunächst ein Korpus zusammenstellen, also eine Sammlung von authentischen Sprachdaten, die einerseits Texte, andererseits auch Bilddaten etwa in Form von auf Social Media geteilten Memes umfassen wird. Diese Daten werden anschließend auf Metaphern hin untersucht und die Ergebnisse werden mit denjenigen verglichen, die von den SFB-Mitgliedern in Daten aus authentischen Religionen gefunden wurden. Auf diese Weise soll das Projekt auch dazu beitragen, zu verstehen, welche Metaphern in authentischen Religionen quasi von „außen“ als besonders auffällig wahrgenommen werden und sich damit für Parodien anbieten. Zudem leistet das Projekt einen Beitrag zur sprachwissenschaftlichen Humorforschung, indem es auslotet, welche Aspekte zum humoristischen Effekt einzelner Metaphern in Parodiereligionen beitragen.