Netzwerk Spielwissenschaft - Was wird denn hier gespielt?
Spiel(en) ist mehr als Zeitvertreib: Es ist Gegenstand von Forschung, Methode der Erkenntnisgewinnung und Werkzeug in der Lehre. Das am 8. Oktober 2025 von Jun.-Prof. Dr. Melanie Fritsch, Prof. Dr. Daniela Kuschel (beide Institut für Kulturwissenschaften) und PD Dr. Tobias Winnerling (Institut für Geschichtswissenschaften) gegründete ‚Netzwerk Spielwissenschaft‘ an der Heinrich-Heine-Universität, das durch die wissenschaftliche Mitarbeiterin Finja Walsdorff (Institut für Kulturwissenschaften) unterstützt wird, will sich diesem zukunftsweisenden Forschungsfeld widmen. Ziel des Netzwerks ist es, spielwissenschaftliche Forschung, Perspektiven und daran Interessierte über Fakultätsgrenzen hinweg zu vernetzen und in einen überfachlichen Austausch zu bringen.
Spielwissenschaft wird dabei in ihrer weitesten Auslegung als interdisziplinäres Feld verstanden, in dem Spiele und das Spielen als Forschungsgegenstände sowie gleichermaßen als Forschungsmethoden und didaktische Mittel in der Lehre im Fokus des Interesses stehen (vgl. „Zur Etablierung einer Spielwissenschaft: Potenziale, Perspektiven und institutionelle Anforderungen“. Diese Mehrdimensionalität eröffnet neue Zugänge zu wissenschaftlichen Fragestellungen und fördert innovative Formen des Wissenstransfers.
Die Erforschung digitaler Spiele wird in Deutschland bereits seit der Jahrtausendwende unter dem Label der „Game Studies“ betrieben. Mit der AG Games der Gesellschaft für Medienwissenschaft im Jahr 2003 wurde zu diesem Zweck eine erste Arbeitsgruppe innerhalb einer Fachgesellschaft gegründet. Auch die Board Game bzw. Analog Game Studies bilden einen zentralen Teilbereich der Spielwissenschaft und widmen sich der Erforschung analoger Spiele wie Brett-, Karten- und Tabletopspiele. Als ebenso interdisziplinäres Feld verbinden Board Game Studies historische Forschungsperspektiven, kultur-, medien- und sozialwissenschaftliche Ansätze und Designforschung. Analoge Spiele werden dabei nicht nur als kulturelle Artefakte und Medien untersucht, sondern auch als Räume sozialer Interaktion, als Träger von Wissen und als experimentelle Settings, in denen sich komplexe Prozesse modellieren und erfahrbar machen lassen. „Brettspiele spielen - Brettspielkultur in Deutschland“ wurde 2025 in die Liste der immateriellen Kulturgüter aufgenommen und die Forschungslandschaft diversifiziert sich weiter, z.B. in Netzwerken wie dem „Board Game Historian“ oder dem „Modern Boardgames“-Projekt (GameLab der Universität Konstanz).
Die Spiellandschaft als Forschungsfeld in zahlreichen Wissenschaftszweigen
Mittlerweile wird das Feld aus den verschiedensten Fachdisziplinen innerhalb der Geisteswissenschaften sowie den Sozialwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Rechtswissenschaften und diversen MINT-Fächern bearbeitet. So sind Spiele etwa Gegenstand der Digital Humanities (AG Spiele), der Musikforschung (Society for the Study of Sound and Music in Games) oder sind als (digitales) Kulturerbe ein neuer herausfordernder Gegenstand für Archive, Museen und Sammlungsbemühungen. Neben digitalen und analogen Spielen als Gegenständen interessiert sich spielwissenschaftliche Forschung auch für das Spielen als Kulturtechnik (im englischsprachigen Raum wird dieser Bereich als „Play Studies“ bezeichnet) sowie Spielkultur.
Das Netzwerk Spielwissenschaft versteht sich als Plattform, die darauf abzielt, die an der HHU vertretenen unterschiedlichen disziplinären Ansätze, Perspektiven und Interessen miteinander in Dialog zu bringen. Bereits jetzt konnten Mitglieder aus verschiedenen Fachrichtungen und Fakultäten der HHU gewonnen werden, die ein gemeinsames Interesse an interdisziplinärer Zusammenarbeit verbindet. Geplant sind regelmäßige Treffen, Workshops und gemeinsame Projekte, die den Austausch zwischen den Beteiligten stärken und neue Impulse für Forschung und Lehre setzen. Mit der Gründung des Netzwerks wird so ein Raum geschaffen, in dem das Thema Spiel(en) in seiner wissenschaftlichen Breite sichtbar und anschlussfähig wird – innerhalb der Universität und darüber hinaus.
An einer Mitwirkung interessierte HHU-Mitglieder können im HHU-Wiki weitere Informationen über das Netzwerk Spielwissenschaft finden.
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