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Glitzerschrift "Meet me for Coffee" auf einer Fensterscheibe eines Kaffees

Auf einen kurzen Kaffee mit ...

Dr. Mara Stuhlfauth-Trabert und Dr. Jan Hecker-Stampehl vom Heinrich-Heine-Collegejahr

Jan Hecker-Stampehl ist gebürtiger Düsseldorfer und hat Neuere und Neueste Geschichte, Skandinavistik, Fennistik und einige Semester auch evangelische Theologie in Greifswald, Helsinki und Berlin studiert. 2009 wurde er an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einem nordeuropäischen Thema in Neuerer und Neuester Geschichte promoviert. Nach 13 Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter für nordeuropäische Geschichte an der HU Berlin ist er nach Stationen bei einem privaten Weiterbildungsunternehmen in Bonn und als Postdoc-Koordinator an der Deutschen Sporthochschule Köln seit 1.1.2025 an der HHU tätig und Koordinator des Heinrich-Heine-Collegejahres, das er nicht nur gemeinsam mit Mara Stuhlfauth-Trabert aufgebaut hat und organisiert, sondern in dem er auch unterrichtet. Er ist verheiratet und hat drei Kinder (zwei davon erwachsen) und lebt seit neun Jahren in Köln.

Seinen Kaffee trinkt er immer schwarz – aber ein Latte Macchiato ab und zu darf sein.

Mara Stuhlfauth-Trabert hat an der HHU Germanistik und Philosophie studiert und vom vierten Semester bis nach der Promotion am Institut für Germanistik gearbeitet und dabei viele Projekte und Tagungen begleitet oder selbst organisiert. Seit 2025 leitet und koordiniert Sie das Heinrich-Heine-Collegejahr gemeinsam mit Jan Hecker-Stampehl und begleitet die Teilnehmer*innen bei ihrem Weg in den passenden Studiengang. Sie hat drei Kinder, kommt jeden Tag mit dem Fahrrad zur Uni und liebt seit 1992 die Detektivhörspielreihe „Die drei Fragezeichen“.

Ihren Kaffee trinkt sie am liebsten mit Milch, aber in jedem Fall ohne Zucker. Ab 19:00 Uhr wechselt sie zu Ostfriesentee, der Broken-Mischung.

Jan Hecker-Stampehl: Es ist ein Jahr voller Einblicke in die verschiedenen Fächer an der Philosophischen Fakultät, ein sanfter Übergang von der Schule an die Hochschule, die Chance, in einem geschützten Rahmen verschiedene Aspekte eines Studiums in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften auszuprobieren und mehr über sich selbst herauszufinden. 

Mara Stuhlfauth-Trabert: Um auf den Punkt zu bringen, was das Collegejahr den Studierenden bietet, reichen mir eigentlich zwei Worte: strukturierte Freiheit! Die Teilnehmer*innen haben die Freiheit, Kurse aus allen Fächern frei zu wählen, sich ein eigenes Forschungsthema auszusuchen und sich darin auszuprobieren, bekommen aber auch ein strukturiertes Rahmenprogramm mit Lehreinheiten, die man einfach braucht, wie beispielsweise eine Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten.

Mara Stuhlfauth-Trabert: Das Collegejahr richtet sich an Menschen, die neugierig genug sind, ihr eigenes Wissen nicht als abgeschlossen zu betrachten. Wer bereit ist, Wissenslücken nicht zu verstecken, sondern produktiv zu machen, Fragen zu stellen und Unsicherheiten als Ausgangspunkt für Erkenntnisse zu begreifen, wird sich im Collegejahr wohlfühlen. Ebenso wichtig ist die Neugier auf kulturelle Zusammenhänge: auf Geschichte, Kunst, Literatur und gesellschaftliche Entwicklungen. Wer daran glaubt, dass Worte nicht nur beschreiben, sondern auch verändern können, bringt eine entscheidende Voraussetzung mit.

Jan Hecker-Stampehl: Ja, jede Menge Neugier ist wichtig und die Bereitschaft, sich auch auf Unbekanntes einzulassen. Wer mit genügend Offenheit in das Collegejahr geht, hat die Chance auf viele neue Einsichten und auf so manchen Aha-Effekt. Auf einmal wird ein Studienfach interessant, von dem man dachte, das würde einen nie interessieren. Das Programm ist voll mit Möglichkeiten, sich auszuprobieren und in verschiedene Bereiche reinzuschnuppern. 

Mara Stuhlfauth-Trabert: Ja, gerade im Collegejahr lernen sich die 30 Teilnehmer*innen sehr intensiv kennen. Es beginnt mit unserer Orientierungswoche, in der die Gruppe das erste Mal zusammenkommt und spielerische Aufgaben viel Raum für den ersten Austausch bieten. Bei den Feedback-Gesprächen wurde sehr deutlich, dass viele schon in den ersten Wochen enge Freundschaften geknüpft haben.

Jan Hecker-Stampehl: Eine Besonderheit des Collegejahres besteht auch darin, dass die ca. 30 Teilnehmer*innen pro Woche sieben bis neun Seminare exklusiv in der Gruppe haben und in selbstgewählten Kleingruppen für das Praxisprojekt arbeiten, welches am Ende des Collegejahrs öffentlich vorgestellt wird.

Jan Hecker-Stampehl: Da wäre zunächst vor allem das schon erwähnte Praxisprojekt: Die Studierenden haben aus unserem Jahresthema „Macht und Partizipation“ eigene Unterthemen entwickelt, zu diesen recherchiert und diese in verschiedenen medialen Formen (Poster, Blogs, Video-Essays) umgesetzt. Darüber hinaus gibt es in vielen Kursen praktische Bezüge. Ob wir darüber diskutieren, welche Bedeutung unsere Fächer für unser Zusammenleben und unser Verständnis von Kultur haben oder ob die Studierenden verschiedene Bereiche der Wissenschaftskommunikation analysieren und auch praktisch einüben – es geht an vielen Punkten immer wieder um den Blick über das wissenschaftliche Studium hinaus auf verschiedene gesellschaftliche Zusammenhänge. 

Jan Hecker-Stampehl: Eine große Rolle, da ein Studium in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften ja nicht zu einem klaren Beruf hinführt. Wir wollen dem hartnäckigen Vorurteil begegnen, mit einem Abschluss in unseren Fächern würde man eh nur Taxifahrer*in – dabei zeichnen die Zahlen der Agentur für Arbeit ein ganz anderes Bild. Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaftler*innen kommen sehr gut auf dem Arbeitsmarkt unter – man muss sich aber während des Studiums durch Praktika oder einschlägige Nebenjobs darum kümmern, verschiedene Arbeitsfelder kennenzulernen. 

Mara Stuhlfauth-Trabert: Es geht darum, Ängste abzubauen und frühzeitig eigene Berufsvorstellungen zu entwickeln. Im ersten Moment irritiert es viele, dass wir bereits im Orientierungsprogramm auf die Zeit nach dem Studium schauen, aber unser Seminar „Studium und dann? – Berufe für Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaftler*innen“ ist einer der beliebtesten Kurse im ersten Jahrgang. Im Gespräch mit Gästen, die einen Studienabschluss unserer Fakultät haben und nun ihren Werdegang und ihren Berufsalltag vorstellen, können unsere Studierenden die Erfahrung machen, wie vielseitig die Beschäftigungsmöglichkeiten nach dem Studium sind. Darüber hinaus ist dieses Seminar auch eine Kontaktbörse für Praktika oder Nebenjobs. Je früher die Studierenden eine Idee davon bekommen, welche Sparten sie interessieren könnten, desto früher können sie durch gezielte Praktika ihren Lebenslauf profilieren.

Jan Hecker-Stampehl: Bei unseren Gästen reicht das Spektrum von der Germanistin, die erfolgreiche Theaterautorin geworden ist über den Philosophie-Absolventen, der jetzt beim Finanzdienstleister tätig ist bis hin zur Politikwissenschaftlerin und Skandinavistin, die jetzt im diplomatischen Dienst beim Auswärtigen Amt arbeitet. Wir wollen zeigen, wie verschieden Berufswege aussehen können und Mut machen, dass jede*r den passenden Weg für sich selbst finden kann – und dass es eigentlich keine Umwege gibt, sondern dass jede Tätigkeit einen weiteren Gewinn und neue Qualifikationen und Erfahrungen mit sich bringt.

Mara Stuhlfauth-Trabert: Die Studierenden des Collegejahrs kommen in den von ihnen gewählten Schnupperkursen mit den regulären BA-Studierenden zusammen. Für die Teilnahme an den Seminaren ergeben sich da keinerlei Unterschiede. Ob es für das soziale Miteinander einen Unterschied macht, ob ich den Kurs als Schnupperkurs des Collegejahrs oder als BA-Student*in aus dem entsprechenden Studiengang besuche, werde ich unsere Studierenden gerne mal fragen.

Mara Stuhlfauth-Trabert: Ja, definitiv und das ist eine der schönsten Seiten an unserer Aufgabe. Das Collegejahr leistet für die Teilnehmer*innen ganz unterschiedliche Dinge. Ein Studierender hat plötzlich seine Begeisterung für Kunstgeschichte entdeckt und war selbst ganz überrascht, wieder ein anderer hat gemerkt, dass Uni definitiv nicht das richtige für ihn ist und erspart sich nun einen Studienabbruch im dritten Semester. 

Jan Hecker-Stampehl: Eine Studierende konnte durch Gespräche mit Dozierenden ihre Entscheidung für das von ihr gewünschte Fach festigen; sie meinte, ohne das Collegejahr hätte sie sich das nicht getraut.

Jan Hecker-Stampehl: Ich finde es sehr gewinnbringend, weil wir ein neues Programm an den Start bringen konnten, das wir aufgrund der jetzt gesammelten Erfahrungen weiter verfeinern und noch runder machen können. Jungen Leuten den Weg an die Uni und an die Philosophische Fakultät zu bahnen, empfinde ich als sehr bereichernd.

Mara Stuhlfauth-Trabert: Ich bin auch überzeugt, dass das Collegejahr mit den Bedürfnissen der Teilnehmer*innen mitwachsen wird. Ich fühle Freude, weil vieles von dem, was wir uns überlegt haben, von den Studierenden so positiv aufgenommen wird. Außerdem habe ich durch unsere Seminare, in denen Kolleg*innen aus allen Fächern der Fakultät ihr Fach oder ihre aktuellen Forschungsprojekte vorstellen, in diesem Jahr selbst viele spannende Dinge gelernt. Wir sind wirklich dankbar für die Unterstützung in der Fakultät und für unsere kompetenten und sympathischen neuen Kolleg*innen.

Jan Hecker-Stampehl: Besonders haben mich Rückmeldungen beeindruckt, wonach die Erfahrung des Collegejahrs vielen Studierenden die Befürchtung genommen hat, mit einem Studium in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften könne nichts aus ihnen werden. Außerdem ist es im Praxisprojekt toll zu erleben, wie die Teilnehmer*innen über sich hinauswachsen und entdecken, dass Studieren auch Raum für Kreativität bietet.

Mara Stuhlfauth-Trabert: Von vielen Teilnehmer*innen bekommen wir die Rückmeldung, dass es für sie ein Jahr der Selbstreflexion ist, in dem sie viel über sich und ihre eigenen Wünsche und Ziele lernen. Dazu beitragen zu dürfen, empfinde ich als sinnstiftend.

Mara Stuhlfauth-Trabert: Dinge einfach machen! Den Mut haben, Fragen zu stellen, Fehler zu machen und sich auszuprobieren. Sich aus Interesse und Begeisterung für einen Studiengang entscheiden und sich nicht von der Angst vor einer ungewissen Zukunft leiten lassen.

Jan Hecker-Stampehl: Hier kann ich an eine Antwort vom Anfang anknüpfen: Man sollte sich Neugier und Offenheit durch das ganze Studium bewahren, weil man auf einmal an ganz unerwarteten Punkten neue und spannende Einsichten gewinnt. Also bloß nicht mit Scheuklappen durchs Studium gehen und nur „Dienst nach Vorschrift“ bzw. Studienordnung machen. Ich würde dazu raten, sich in studentische Initiativen einzubringen und schauen, was das Unileben jenseits von Hörsaal und Bibliothek so bereithält – ich profitiere bis heute von den Erfahrungen, die ich dadurch gesammelt habe.


Das Heinrich-Heine-Collegejahr auf einen Blick

Dauer: zwei Semester

Zielgruppe: Abiturientinnen und Abiturienten mit Interesse an Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften

Inhalte: Einblicke in verschiedene geisteswissenschaftliche Disziplinen, Kennenlernen wissenschaftlicher Arbeitsweisen, praxisbezogenes Projekt, Präsentation und Aufbereitung wissenschaftlicher Inhalte, Orientierung zu Studienwahl und Berufsperspektiven

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