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Prof. Dr. Anke Hilbrenner ging in ihrer Antrittsvorlesung einem sowjetischen Erinnerungsmythos auf den Grund

Dekan Prof. Achim Landwehr und Prof. Anke Hilbrenner Zoom

Dekan Prof. Achim Landwehr und Prof. Anke Hilbrenner.

Prof. Dr. Anke Hilbrenner hat seit April 2022 den Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte am Institut für Geschichtswissenschaften der Philosophischen Fakultät inne. Mit "Das Todesspiel von Kyiv - Krieg, Fußball und Erinnerungskonflikte in Russland und der Ukraine“ hielt sie am 18.10.2022 ihre Antrittsvorlesung.

In der Vorlesung thematisierte Anke Hilbrenner ein Fußballspiel, das im August 1942 im von den Deutschen besetzten Kyiv stattfand. In der sowjetischen Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg wurde es als „Todesspiel von Kyiv“ zum Mythos, nachdem sowjetische Sportler sich weigerten, das Spiel gegen eine deutsche Militärmannschaft zu gewinnen und daraufhin vom Platz weg verhaftet und erschossen wurden. Die Professorin untersuchte diesen Mythos und zeigte, dass es sich bei den Sportlern weniger um heldenhafte Widerstandskämpfer handelte, sondern um Sportler, die versuchten, sich unter den Bedingungen der Besatzung durchzuschlagen. Fußball war für sie ein Mittel, unter den Bedingungen der deutschen Hungerpolitik die Versorgung ihrer Familien mit Brot sicherzustellen. Einige von ihnen wurden ermordet, sie wurden Opfer der willkürlichen Gewalt der deutschen Besatzer. Ausgehend von diesen Ereignissen führte Hilbrenner aus, wie die sowjetische Kriegserinnerung nach 1991 russifiziert wurde, und welche konkurrierenden Erinnerungsnarrative in der Ukraine und darüber hinaus in Ostmitteleuropa entstanden. „Die deutsche Verantwortung für den Krieg heißt auch, dass die Erinnerung an den Krieg uns eine Verantwortung für die Gegenwart und Zukunft Ostmitteleuropas auferlegt“, resümierte die Osteuropahistorikerin in ihrem Vortrag.

Zur Person:
Anke Hilbrenner ist Osteuropahistorikerin. Seit April 2022 hat sie den Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte an der HHU inne, zuvor war sie seit 2017 Professorin für Neuere Geschichte Osteuropas an der Universität Göttingen. Sie studierte in Bonn und Bochum und verbrachte während des Studiums und danach viel Zeit in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, vor allem in Russland und in der Ukraine. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die jüdische Geschichte im östlichen Europa, die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und seine Besatzungsgesellschaften, Sport- und Geschlechtergeschichte sowie die Geschichte des russischen Terrorismus vor 1917.  

Ein Interview mit Anke Hilbrenner finden Sie in unserer Reihe "Auf einen kurzen Kaffee mit...".

Kategorie/n: Philosophische Fakultät, Fakultät Schlagzeile
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