Termin

Titel:
Michael Festl (St. Gallen): Das Ende der Intersubjektivität? Wissenschaft, Literatur und Transformative Erfahrungen

Datum / Uhrzeit:
15.04.19   /  16:30 - 18:00

Veranstalter:
Dr. Birgit Capelle (Anglistik/Amerikanistik) und Dr. Dennis Sölch (Philosophie)


Ort:
Hörsaal 3C, Gebäude 23.01


Beschreibung:

Im Rahmen der Ringvorlesung "Literarische Philosophie - philosophische Literatur" laden wir herzlich ein zu einem Vortrag von 

Michael Festl (St. Gallen): Das Ende der Intersubjektivität? Wissenschaft, Literatur und Transformative Erfahrungen

Zum Vortrag:

In einem vielbeachteten Paper aus dem Jahr 2015 prägt Laurie Paul den Begriff ‘Transformative Erfahrung’. Sie meint damit Erfahrungen, die derart fundamental sind, dass es unmöglich ist, im Vorhinein abzuschätzen, wie sie, wenn sie einmal gemacht worden sind, unser Leben beeinflussen werden, beispielsweise die Erfahrung, ein Kind zu bekommen. Während Paul diesen Begriff nutzt, um Rational-Choice-Theorien anzugreifen, möchte ich darlegen, dass ihr Begriff noch grundlegendere Implikationen für die Philosophie hat. Er stellt nämlich den Begriff der Intersubjektivität in Frage, welcher zentral für eine Reihe an ethischen und epistemologischen Theorien ist. Indem Paul Menschen die Kompetenz abspricht, wenigstens ungefähr einschätzen zu können, wie sie spätere Erfahrungen bewerten werden, stellen Pauls Forschungen damit erst recht in Frage, dass Menschen abschätzen können, wie andere Menschen bestimmte Ereignisse wahrnehmen und bewerten. Gleichwohl ist diese Kompetenz eine notwendige Bedingung für ein sinnhaftes Konzept von Intersubjektivität.

Ich werde den Begriff der Intersubjektivität gegen die so formulierte Herausforderung verteidigen und dabei zwei Ansätze unterscheiden, wie man dieser Herausforderung begegnen kann: den wissenschaftlichen und den narrativen Ansatz. Ersterer sammelt so viele Fakten zu der zu beurteilenden Erfahrung wie möglich. Letzterer verlässt sich dagegen auf Geschichten über die in Frage stehende Erfahrung, wie sie speziell in der Literatur (in einem weiten Verständnis) vorkommen. Ich versuche zu zeigen, dass der erste Ansatz wenig vielversprechend ist, der zweite dagegen zielführend sein kann.

Zur Person:

PD Dr. Michael Festl lehrt und forscht als ständiger Dozent an der Universität St. Gallen und ist seit 2014 Direktor des Dewey-Center Switzerland. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen u.a. die Politische Philosophie, vor allem Gerechtigkeitstheorien, sowie die Amerikanische Philosophie, insbesondere die pragmatistische Epistemologie und die Philosophie John Deweys.


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